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  1. Die Zebras

 

Die Zebras starten wieder durch !

Wir erinnern uns:
Die Schülerinnen der Zebra-Ag "2010-12" haben zu Anfang dieses Jahres ihre Arbeit zum Thema "Rassenforschung im Nationalsozialismus am Beispiel Willi Klencks" in einer viel beachteten und hoch gelobten Ausstellung im Lamstedter Rathaus präsentieren können. Nachdem sie dafür auch noch mit dem "Goldenen Hecht" der Osteland-AG ausgezeichnet wurden, bestätigte es sich, dass es sich lohnt, im Rahmen der Aktion "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" tätig zu sein.
An die erfolgreiche Arbeit eurer Vorgängerinnen wollen wir nun mit einer neuen Gruppierung und unter einer völlig anderen Thematik anknüpfen.
Frau Brunkhorst hat sich nämlich bereiterklärt, ab sofort eine neue nachmittägliche Zebra-Ag zu leiten, und zwar unter dem Motto "Rezepte ohne Grenzen". Hier soll in wechselnder Abfolge international gekocht werden. Ziel ist es, die Schülerinnen und Schüler an weniger bekannte Gerichte heranzuführen, veränderte Zubereitungsweisen kennen zu lernen und nicht zuletzt auch neue exotische Geschmackserlebnisse zu erfahren.

Viel Spaß !

 

 

 

Dokumentation der „Zebras“ über Willi Klenck

Seit 2004 hat unsere Schule den Titel „Schule ohne Rassismus-Schule mit Courage“ verliehen bekommen. Um dieser Auszeichnung gerecht zu werden, bearbeiten Schülergruppen in lockerer zeitlicher Abfolge verschiedene Problemfelder, die sich im lokalen wie regionalen Bereich zu der o.a. Thematik auftun. So beschäftigt sich z.B. seit Oktober 2010 eine Gruppe von vier Schülerinnen der R10b (die „Zebras“) zusammen mit dem Geschichtsfachleiter Herrn Doege mit dem Projekt
Willi Klenck“.
Dem ehemaligen Nindorfer Lehrer und Heimatforscher Willi Klenck ist in den 60er Jahren in Lamstedt eine Straße gewidmet worden.


Offensichtlich ist damals nicht bedacht worden, näher in die Biographie Klencks einzusteigen, denn dann hätte man bemerken müssen, welche zweifelhaften Ämter Klenck in der Zeit des Nationalsozialismus ausgeübt hat. So ist er zum Beispiel, nachdem ihm 1943 das „rassenpolitische Amt Ost-Hannover“ übertragen wurde, 1944 schließlich bis zum Leiter der Lüneburger Forschungsstelle „Rasse und Raum“ aufgestiegen.


Klenck hat bereits in den 20er Jahren rassekundliche Forschungen unter den Bewohnern der Börde Lamstedt durchgeführt und diese sowohl bildlich als auch durch „Verkartung“ genauestens dokumentiert. Klenck ging davon, dass man jeden Menschen durch den Nachweis bestimmter Kopf- und Gesichtsmerkmale einer bestimmten Rasse zuordnen könne.


Durch die nachgewiesene Zusammenarbeit mit anderen bekannten Rassekundlern ergibt sich in den 30er Jahren das Bild eines Pseudoforschers, der nicht davor zurückschreckte, in seinen Publikationen von „minderwertigen Menschen“ zu sprechen, die unfruchtbar zu machen seien (1934). Zu dieser Gruppe zählten die Nationalsozialisten damals u.a. Kranke, Blinde, Taubstumme, Trinker, Vorbestrafte und psychisch kranke Menschen. Für „Juden, Neger, Zigeuner, asoziale Elemente und Gauner“ (Klenck in: Deutsche Volkssippenkunde, 1939, S.22) sollten doppelte Karten angefertigt werden, von der das jeweilige Duplikat an eine der übergeordneten Dienststellen übermittelt werden musste. Wie viele solcher „Fälle“ Klenck zwischen 1933 bis 45 nach „oben“ ausgeliefert hat, ist nicht genau bekannt, weil etliche Unterlagen in den Kriegs- und Nachkriegswirren offenbar vernichtet worden sind.


Auf jeden Fall aber gehört Klenck zweifellos zu der Reihe gewissenloser „Schreibtischtäter“, die dem nationalsozialistischen Regime aus Überzeugung und mit großem Eifer zugearbeitet haben.


Bei unseren Recherchen über Klenck stießen wir immer tiefer in einen Strudel abstoßender Begrifflichkeiten und in ein so nicht für möglich gehaltenes Maß an menschlicher Verachtung gegenüber Minderheiten, die der Willkür der damaligen Behörden hilflos ausgeliefert waren.


Dass sich Klenck nach dem Krieg offenbar keiner Schuld bewusst war, empört umso mehr.


Im Oktober 2010 schließlich hat die Arbeitsgruppe der „Zebras“ eine ausführliche Bild- und Textdokumentation über Klenck und die Arbeiten verwandter Rassenkundler des Nazi-Regimes erstellt. Sie wird der Öffentlichkeit im Januar im Rathaus in Lamstedt zugänglich gemacht.

Die "Zebras"/Thomas Doege

Literaturangabe:

Hans-Jürgen Kahle, Willi Klenck, Lehrer, Heimatkundler, Nationalsozialist - in: Unter dem Hakenkreuz, Buch, Cuxhaven 1993, Wilhelm Heidsiek Verlag, 1. Auflage.

Eine 2. Auflage des Buches erschien 2000 (erhältlich im Buchhandel oder über das Internet: www.wilhelm-heidsiek-verlag.de).